Die neue deutsche Welle: Schön sind wir sowieso

„denn wir sind cool und der Trend von heute“, so sang Markus zu Beginn der neuen deutschen Welle in den 80er Jahren, während Nena ihre „99 Luftballons“ fliegen ließ und Peter Schillings „Major Tom“ völlig schwerelos abhob. Das war der Musik-Trend von damals und der modische Trend der neuen deutschen Welle lässt sich vor allem mit einem Titel dieser musikalischen Stilrichtung kurz und bündig beschreiben: „Ich will Spaß“.

80er Jahre NDW Kleidung

Die Mode neue deutsche Welle drückt, wie die Musik, ein bestimmtes Lebensgefühl aus: laut, schrill und fetzig. Die Köpfe der neuen deutschen Welle zierte eine, möglichst färbige, Vokuhila-Frisur, wenn möglich mit Stirnband, in den Ohren baumelten auffallend grelle Schmuckstücke. Ob Fönfrisur oder Wuschelkopf, ohne Haarspray oder – lack war Ausgehen unmöglich, was nicht aus Dosen und Flaschen auf die Haarpracht gesprüht wurde, wurde als Farbe ins Gesicht oder auf die Fingernägel gepinselt. Für die weibliche Modewelt galt die Sängerin Nena als großes Vorbild. Von Lederjacke, Röhrenjeans, Ledermini, Nietengürtel oder Strickstulpenstiefeln bis zu einem getigerten Ganzkörperanzug war alles erlaubt, solang die großen Kreolen in den Ohren und die Schweißbänder an den Handgelenken nicht fehlten. Ein weiterer modischer Fehltritt der Stilikone Nena waren die bedruckten Tops, die die Trendsetterin mit unrasierten Achseln kombinierte.

 

Aber auch der Stil männlicher Stars der neuen deutschen Welle trieb mitunter seltsame Blüten, so war der Schlagzeuger der Band Trio nie ohne weißes T-Shirt in Kombination mit roten Hosenträgern zu sehen. Die legendäre Modesünde der 80ger Jahre, die Schulterpolster, waren kein geschlechtsspezifischer Fauxpas, die oft wenig vorteilhaften Leggings blieben allerdings der Damenwelt überlassen. Die Herren der neuen deutschen Welle trugen bunt verspiegelte Sonnenbrillen, Goldkettchen und Jeans im Karottenschnitt. Das knallbunte Netzhemd am Oberkörper wurde mit Jeans- oder Lederjacken bedeckt. Für einen Hauch von Eleganz musste eine schmale Lederkrawatte gegen schrill gemusterte Jacketts und bunte Buttons am Revers ankämpfen. Glänzendes Kunstleder oder farbenfrohe Synthetikstoffe wurden von den Modejüngern der neuen deutschen Welle ebenso unverfroren präsentiert wie eine ungewöhnliche Schuhmode. Turnschuhe der Marke Adidas oder bunt bedruckte Convers-Schuhe waren nicht weniger gesellschaftsfähig wie bestickte Cowboy-Stiefel zu Röhrenjeans oder die legendären Stulpenstiefeln zu Leggings. Modisch wie musikalisch war die neue deutsche Welle also eine grellbunte, schrille Party und, wie bei der Kultfigur der 80ger, Paulchen Panther, „machte sie manchmal schlimme Sachen, über die wir trotzdem lachen“.

Neue deutsche Welle