Die Poppermode

Die Achtziger sind lang vorüber, obwohl Paulchen, der rosarote Panther, immer noch Kult ist und so manch einer noch immer über der Lösung seines magischen Würfels grübelt. In den 80er Jahren war alles klar für Falcos Kommissar und Udo Lindenberg verlangte einen Sonderzug nach Pankow, wo später der deutsche Arbeiter- und Bauernstaat durch den Berliner Mauerfall ebenso einen Super-Gau erlitt wie das Atomkraftwerk in Tschernobyl. Auch die modischen extremen Modeströmungen dieses Jahrzehnts verdienen eine Retrospektive, denn was dem Punker sein Haarspray, war dem Popper seine Fön-Welle.

Popper Mode

Die Poppermode war passend zur Fön-Welle bestens gepflegt, einwandfrei durchgestylt – und möglichst teuer. Das modische Statement dieser Gruppe von Upperclass-Kids hieß demonstrativer Konsumstil und materialistischer Egoismus. Poppermode war kostspielige Markenmode. Auf jeder (Polo)-Hemdbrust ohne Benetton-Label lauerte Lacoste`s kleines Krokodil, es gab kein Ausflug mit dem Vespa-Roller ohne den Trenchcoat von Burberry und ohne die Lederaccessoires von Etienne Aigner. An den Beinen waren Fiorucci- Hosen mit Karottenschnitt für die Imagepflege ebenso Pflicht wie Socken von Burlington. Den ausrasierten Nacken schützte der hochgestellte Kragen des Polohemdes, den Hals zierte eine passende, schmale Leder- oder Strickkrawatte. Die Pullover der Poppermode waren aus Kaschmirwolle und hatten einen V-Ausschnitt, die Zigarettenpackungen in den sorgfältig manikürten Händen trugen internationale Namen wie Cartier oder Dunhill. Von Kopf – mit Poppertolle – bis Fuß – mit Collegeschuh – gestylt, folgten die Popper ihren modischen Vorbildern, wie dem Hochstapler Felix Krull und dem Sänger Bryan Ferry, konsequent – und ohne Rücksicht auf finanzielle Verluste. Keine Moderichtung war so abhängig von Pastellfarben und Rautenmuster wie die Poppermode, keine Jugendbewegung duftete so ausdauernd nach Chanel und Lagerfeld. Die Gleichberechtigung der Geschlechter war in der Poppermode kein Diskussionsthema, ob weiblich oder männlich war nur mit Hilfe der Kleidung oder der Frisur kaum zu unterscheiden. Ein weiteres Idol der Poppermode, der Fotograf Helmut Newton, sagte: „Ich sehe die Wahrheit und Schlichtheit des Porträts…“. Schlichtheit ist in dieser Moderichtung nicht zu finden, alles Weitere liegt aber auch hier im Auge des Betrachters. Viele sehen in der Poppermode nur Imponiergehabe und Konsumwahn, andere registrieren eine gepflegte Eleganz und den exklusiven Geschmack teurer Designer-Marken.